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Japanisch Lernen – Die Japanischen Kana: Hiragana Und Katakana

Japanische Kana lernen

こんにちは、学生たち。

 

Hallo, zusammen. In dieser Japanisch lernen Lektion behandeln wir ひらがな (hiragana) und カタカナ (katakana). Erstere werden in der japanischen Sprache vor allem für Satzpartikel, Floskeln und allgemein zur Transkription von Wörtern eingesetzt. Darüber hinaus werden Kinder und einführende Lehrbücher meist vollständig in ひらがな geschrieben.

Letztere, die カタカナ, kommen bei Fremd- und Lehnwörtern zum Einsatz. Ein Beispiel hierfür wäre レバ (re – ba), was aus dem deutschen Wort für Leber (gastr.) abgeleitet ist.

Die folgenden Tabellen zeigen die Silben in der Übersicht zusammen mit der jeweiligen Strichreihenfolge. Beim Lernen und Üben der Silben ist es wichtig, dass man sich die Strichreihenfolge einprägt und sich auch beim Schreiben daran hält. Wenn ihr euch fragt, warum das so wichtig ist, dann schaut euch ein handgeschriebenes Dokument eines japanischen Muttersprachlers im Vergleich mit einem maschinell erstellten an: Identifikation von handgeschriebenen Sauklauen ist ohne erkennen der Strichreihenfolge kaum möglich. Im Deutschen ist dies ähnlich, nur sind wir natürlich als Muttersprachler an die Fließrichtung von handgeschriebenen Texten gewöhnt.

Für Linkshänder können die Strichreihenfolgen am Anfang etwas ungewöhnlich sein, weil man sozusagen gegen das Papier drückt. Man sollte sich allerdings dennoch an die Vorgaben halten und womöglich stört es auch die Linkshänder unter euch nicht mehr, wenn erst einmal der korrekte Schreibfluss hergestellt wurde.

Als Faustregel gilt, die Strichfolge japanischer Symbole folgt der Priorität “von links nach rechts und von oben nach unten”. Bevor man sich damit selbst versucht, sei hier angeraten, sich bei neuen Vokabeln immer zuerst die Strichfolge zu betrachten.

Man sollte beachten, dass sich die handschriftlichen Symbole etwas von den Druck-Symbolen unterscheiden. Das lässt sich mit dem Unterschied im Deutschen zwischen Druckbuchstaben und Kursivbuchstaben vergleichen.

 

In Tae Kims exzellentem Handbuch zur japanischen Grammatik findet ihr animierte Anleitungen zur Strichfolge zusammen mit der jeweiligen Aussprache:

http://www.guidetojapanese.org/learn/grammar/hiragana

Weitere Aussprachehilfen finden sich hier:

http://www.saiga-jp.com/pronunciation_voice.html

Am Schluss des Artikels findet ihr noch Links zu Übungszetteln für die beiden Silbensysteme, aber zuerst solltet ihr euch diese Lektion durchlesen, in der wir auf die Besonderheiten hinweisen.

Hiragana

 

Die Tabelle wurde hier entnommen (CC BY-SA 3.0).

Folgendes solltet ihr bei ひらがな beachten bzw. wissen:

 

    • und (wi und we) gehören zu den obsoleten kana und werden so gut wie nicht mehr im modernen Sprachgebrauch benutzt. Ich persönlich habe die beiden Symbole außerhalb einer hiragana-Tabelle noch nicht zu Gesicht bekommen. Prinzipiell reicht es daher bei diesen beiden kana zu wissen, dass es sie gibt.

 

  • (wo) tritt (fast) nur als Partikel auf. Beispielsweise um ein indirektes Objekt zu kennzeichnen.

 

  • Eine hohe Verwechslungsgefahr besteht bei den “Paarungen” und (ru und ro), und (re und ne),und(nu und me),und(sa und chi) als auch den kana(ha),(na),(ta) und(ni), die sich gerade zu Beginn des Lernprozesses zum Verwechseln ähnlich sehen. Mein Vorschlag hierbei ist: Lasst euch Zeit! Seht euch alles in Ruhe an, nehmt euch jeden Tag ein paar Übzettel vor (wem das Ausdrucken zu teuer oder zu verschwenderisch ist,  kann auch kariertes Papier nehmen und vier Kästchen zu einem gedachten großen verbinden) und versucht euch auch ruhig an gängigen Floskeln und kleineren Texten. Am wichtigsten ist, nicht zu verzagen. Am Anfang werdet ihr viele Fehler machen und euch manchmal wundern, warum ihr auch nach dem x-ten mal ein Symbol nicht korrekt identifizieren könnt. Das ist normal! Beim Erwerb der japanischen Sprache kommt der schwierigste Teil zuerst, dafür ist der Rest des Lernprozesses um ein vielfaches einfacher, als beispielsweise beim Erlernen von Englisch, wenn erst einmal die Grundlagen gefestigt sind.
  • In der R-Reihe solltet ihr besonders auf die korrekte Aussprache achten. Die japanischen R-Silben klingen etwas fremdartig. Man könnte die Aussprache als Zwischenstufe zwischen “R” und “L” betrachten, aber über einen Laut zu schreiben, ist natürlich vergebene Liebesmüh. In jedem Falle solltet ihr darauf achten, wenn ihr euch die Aussprachen anhört, dass die Beispiele auch von japanischen Muttersprachlern gesprochen werden (auf den Seiten hinter den oben genannten Links ist dies der Fall). Es gibt viele Youtuber, die keine japanischen Muttersprachler sind aber der Meinung, sie besäßen keinen “ausländischen” Akzent.
  • Auch die U-Reihe gestaltet sich als nicht ganz einfach. Meist hört er sich an, wie eine Mischung aus dem deutschen Vokal “U” und Umlaut “Ü”. Erschwerend hinzu kommt, dass sich dieser Laut am stärksten dialektisch verschiebt und wird teilweise auch nur angedeutet. Ein Beispiel: Das japanische Wort 少し (すこし、“wenig, gering”) wird normal wie “sukoshi” ausgesprochen; je nach Dialekt werden Teile davon allerdings verschluckt, sodass auch die Varianten “s’koshi” oder sogar “s’kosh’” (denn auch der I-Laut wird gern verschluckt) durchaus nicht ungewöhnlich sind. Hier hilft wirklich nur genau hinhören und üben, üben, üben!
  • Zur W-Reihe gibt es auch kaum Annäherungen in den romanischen oder germanischen Sprachfamilien. Anders als im Englischen, Deutschen oder Französischen wird das “W” nicht im Lippenbereich gebildet, sondern am hinteren Zungenrücken unter Verbreiterung beider Lippen. Für die Phonetikinteressierten unter euch gibt es dazu diesen Wikipedia-Eintrag. Dass der Artikel entsprechend getaggt wurde, ist wenig verwunderlich, aber lässt sich nur schwerlich ändern. Mir würde zu diesem Laut auch nur Japanisch einfallen.

 

Katakana

 

Die Tabelle wurde hier entnommen (CC BY-SA 3.0)

 

Wer noch kein Auge dafür hat, ist sicher zunächst überwältigt vom japanischen Zweisilbensystem. Wie schon erwähnt, werden カタカナ für Fremdwörter, Lehnwörter und onomatopoetische Transkriptionen benutzt und sind daran erkennbar, dass sie kantiger wirken, als ihre Gegenstücke der ひらがな-Tabelle.

Viele der カタカナ sehen ihren Gegenstücken ähnlich, was das Lernen erleichtert, allerdings gleichen sie sich untereinander auch teils stark, was das Lernen wiederum erschwert.

 

Folgendes sollte daher beachtet werden:

 

    • Wie bei den ひらがな auch gelten für und (wi und we), dass sie kaum noch benutzt werden und offiziell obsolet sind.

 

  • (wo) findet in カタカナ-Form nur selten Anwendung, denn wie erwähnt, wird die Silbe fast ausschließlich als Partikel verwendet und Partikel werden gewöhnlich in ひらがな geschrieben.

 

  • Ähnlichkeiten zwischen ひらがな und カタカナ bestehen zwischen den Paaren: カ・か、ヤ・や、リ・り、キ・き、ヘ・へ、テ・て、モ・も、ム・む. Das vereinfacht das Lernen in diesen Fällen. Desweiteren sieht  カタカナ「ニ」so aus wie das kanji mit derselben Aussprache 「二」 (ni).
  • Und nun zum unangenehmen Teil. Große Verwechslungsgefahr besteht zwischen ひらがな「せ」und カタカナ「サ」(se und sa), da man fälschlich annehmen könnte, es handele sich durch die Ähnlichkeit um Symbole mit gleicher Aussprache.
  • ン、シ、ツ、ノ、ソ (n – shi – tsu – no – so) sehen sich schon fast zum Haareraufen ähnlich. Wer die Tabelle genau betrachtet, wird feststellen, dass die Längsstriche bei ツ、ノ、ソ senkrechter ausfallen als bei ン、シ und werden entsprechend auch von oben nach unten ausgeführt, während die etwas waagerechter angelegten Längsstriche bei ン、シ von links nach rechts ausgeführt werden. Man mag es kaum glauben, aber diese Differenz in den Strichfolgen macht den großen Unterschied. Die kleineren Striche sind bei ン、シ ebenfalls angewinkelter als bei ツ、ノ、ソ.
  • Auch die Reihe ワ、ラ、フ、ウ (wa – ra – fu – u) verdient eure besondere Aufmerksamkeit, da sich die Symbole nur durch wenige kleine Änderungen voneinander unterscheiden.

 

Übzettel findet ihr unter folgenden Adressen:

http://japanese-lesson.com/resources/pdf/characters/hiragana_writing_practice_sheets.pdf

http://japanese-lesson.com/resources/pdf/katakana_writing_practice_sheets.pdf

In der nächsten Lektion stellen wir euch noch die diakritischen Zeichen dakuten (濁点、だくてん “stimmhafte Markierung”) und handakuten (半濁点、はんだくてん “quasi-stimmhafte Markierung”) sowie die Digraphen, die youon (拗音、ようおん “verzerrter Klang”), vor. Das hört sich zunächst kompliziert an. Wenn ihr allerdings bis zur nächsten Japanisch Lektion ひらがな und カタカナ einigermaßen beherrscht, wird sie ein Kinderspiel.

Wir wünschen euch viel Erfolg und habt Spaß beim Lernen.

War diese Lektion hilfreich? Unsere Japanisch Lernkarten werden deinen Spracherwerb noch einfacher machen.

いってらっしゃい。

Japanisch Lernen – Die japanische Sprache auf einen Blick

Japanische Sprache

Was man wissen sollte, bevor man mit dem  Japanisch lernen beginnt.

 

In diesem Artikel möchte ich euch die Besonderheiten der japanischen Sprache vorstellen, die man zwar nicht unbedingt wissen muss, wenn man gleich loslegen will, allerdings können so einige Unklarheiten gleich im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden.

 

  1. Die japanische Sprache ist eine Silben- und Symbolsprache. Etymologisch (d.h. sprachhistorisch) betrachtet, wird allgemein davon ausgegangen, dass sie in der chinesischen Symbolschrift ihren Ursprung hat. Nach Meinung einiger Etymologen könnte das japanische Schriftbild auch unter Einfluss der Nachbarn im Westen der Inselkette in Quasi-Isolation entstanden sein, bedenkt man, wie stark abgewandelt es im Gegensatz zum chinesischen wirkt. In Zukunft wissen wir mehr.
  2. Es gibt im Japanischen zwei Silbensysteme, welche die Stützpfeiler der Satzstrukturen darstellen. Das wären zum einen die hiragana (ひらがな), die beim Schreiben nativer (also muttersprachlicher) Satzelemente zum Einsatz kommen und zum anderen die katakana (カタカナ), welche für Fremdwörter genutzt werden (oder auch für onomatopoetische, also lautmalerische, Ausdrücke in Manga).
  3. Neben den Silben gibt es die japanischen Symbole — die kanji (漢字、かんじ). Kanji stehen stellvertretend für Substantive, Adjektive, Adverben etc. und werden durch “Anhängen” von hiragana konjugiert. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass es verschiedene Lesarten der kanji gibt, je nachdem, ob sie isoliert stehen oder im Verbund mit anderen kanji. Die “Verbundlesart” nennt sich onyomi (音読み、おによみ) und sie wird meistens (es gibt wie immer Ausnahmen) dann eingesetzt, wenn kanji Wortzusammensetzungen bilden. Die kunyomi (訓読み、くんよみ) Lesart wiederum kommt zu tragen, wenn kanji in Isolation stehen, bzw. selbst einen eigenen Begriff bilden.
  4. Hinsichtlich der Aussprache wird im Japanischen jede Silbe gleich betont, was sich für landesfremde Ohren teilweise monoton anhören kann. Oft klingt dabei die letzte Silbe eines Wortes aus, wobei auch leicht der Eindruck entstehen könnte, es würden immer die letzten Silben betont. Tatsächlich reihen sich die (oft sehr schnell) gesprochenen Sätze in einem melodischen Auf und Ab aneinander. Dass einzelne Wörter durch unterschiedliche Betonung ihre Bedeutung ändern ist zwar selten, aber man sollte sich zumindest bewusst sein, dass es so etwas gibt. Ein Beispiel dafür wäre ame (あめ), das je nach Betonung entweder Regen (auf der ersten Silbe betont) oder Süßigkeit (auf der zweiten Silbe betont) bedeutet. Man sollte sich dennoch keine allzu großen Sorgen darum machen, auch wenn man in Gegenwart eines Muttersprachlers etwas falsch betonen sollte, wird diese(r) wohl kaum ein Bonbon anbieten, wenn man mit falscher Betonung darauf hinweist, dass es wie aus Eimern gießt.
  5. Weniger geläufig dürfte der Unterschied der Sprechweisen zwischen japanischen Frauen und Männern sein, die sich nicht nur in ihrer Wortwahl, sondern ebenso in ihrer Klangfarbe und Melodie beim Sprechen voneinander unterscheiden. Das kann zum Beispiel auffallen, wenn Mann (in diesem Falle) bei einer Japanisch-Lehrerin Unterricht nimmt und nach beendetem Lehrgang sich deutlich femininer anhört, als man es erwarten könnte. Dieser Umstand lässt sich beim Lernen nur schwer regulieren (da man ja erst sehr viel später ein Gehör für sprachliche Nuancen entwickelt) und man sollte sich wohl auch nicht den Kopf zerbrechen, wenn man ab und an schief angeschaut wird — das passiert Nicht-Muttersprachlern so oder so.
  6. Wie in fast allen anderen Sprachen auch, gibt es im Japanischen verschiedene Ebenen der Höflichkeit. Anders als in romanischen und germanischen Sprachen, die Höflichkeit vor allem über die Anwendung bestimmter Pronomina (meist die zweite Person plural) und entsprechende Konjugationen ausdrücken, werden Höflichkeit und Familiarität im Japanischen durch verschiedene “Anhängsel” hergestellt. Das bekannteste unter ihnen dürfte wohl der Anhang “-san” sein, der so viel bedeutet wie “Herr” oder “Frau”. Als Beispiel könnte sich ein typisches Gespräch zwischen Frau Müller und Frau Schmidt etwa wie folgt gestalten:

 

ムエラーさん 「おはようございます、シュミットさん。げんきですか。」

シュミットさん 「げんきです。ありがとう、ムエラーさん。」

 

Frau Müller: Guten Morgen, Frau Schmidt. Wie geht es Ihnen?

Frau Schmidt: Mir geht es gut. Danke der Nachfrage, Frau Müller.

 

Dieser Satz wird am Ende der Lektion noch einmal detailliert zerpflückt.

 

Damit die Übersicht gewahrt bleibt, sei nur gesagt, das eigene Gegenüber sollte im Zweifelsfall stets mit “-san” angesprochen werden (insofern man den Namen kennt), wobei der Familienname der Person verwendet werden sollte, es sei denn man kennt sich sehr gut untereinander (bei gleichgeschlechtlichen Verhältnissen). Als Mann eine Frau beim Vornamen zu nennen impliziert hingegen schon eine Intimität, die über ein freundschaftliches Verhältnis hinausgeht. Wer also unbedacht mit Vornamen umgeht, kann durchaus so mancher Dame die Schamesröte ins Gesicht treiben.

7. Satzbau im Japanischen

Der Satzaufbau im Japanischen folgt meistens der Regel Subjekt-Objekt-Prädikat. Dieser Umstand kann zu Beginn für einige Verwirrung sorgen, da man als deutscher Muttersprachler an die Folge Subjekt-Prädikat-Objekt gewöhnt ist. Beziehungsweise wird im modernen Sprachgebrauch durch die verbreitete Verwendung des Perfekt das Objekt vom Prädikat umschlossen (auch wenn das Latein an dieser Entwicklung nicht ganz unbeteiligt war). Der japanische Satzbau ist mehr oder minder starr, während im Deutschen die Elemente eines Satzes fast schon beliebig vertauscht werden können.

Vergleicht man die Beispielsätze …

 

  • Sie hat den Apfel vom Händler gestohlen.
  • Den Apfel hat sie vom Händler gestohlen.
  • Vom Händler hat sie den Apfel gestohlen.

 

… so fällt auf, dass Subjekt und direktes wie indirektes Objekt untereinander austauschbar sind, ohne dass der ursprüngliche Sinn des Satzes verloren geht, wenngleich das Augenmerk auf unterschiedliche Elemente gerichtet wird und somit entweder der Händler, “sie” oder der Apfel in den Fokus rücken. In jedem Fall ist klar, wer Täter, wer Opfer und was das Objekt der Begierde ist. Mehr noch wird durch diese Beispielsätze die “Umklammerung” des Prädikats verdeutlicht, von welcher man sich nicht ohne Weiteres lösen kann.

Als Beispiel kann man sich die Sätze “Den Apfel vom Händler sie gestohlen hat” und “Den Apfel vom Händler sie hat gestohlen” betrachten. An sich sind diese Beispiele nicht ungrammatisch, nur wurde die S-P-O-Folge in eine O-S-P-Folge umgewandelt, wodurch die Sätze sich anhören, als wären sie frisch einem Theaterstück entsprungen oder als wären sie Yoda über die Lippen gekommen.

Dass im Deutschen die Satzelemente beliebig vertauscht werden können, liegt in der Notwendigkeit zur Kongruenz begründet, was soviel bedeutet wie die Beziehung oder Übereinstimmung der Satzelemente untereinander. Grundlegend müssen sich Subjekt und Prädikat in Numerus und Person gleichen, damit die Kohäsion, also der grammatikalische Zusammenhalt, im Deutschen gewahrt bleibt.

Im Japanischen hingegen wird Kongruenz nicht durch Konjugation von Verb und Subjekt hergestellt, sondern durch die “Starre” der Satzglieder und ein zugrundeliegendes sozio-linguistisches Kohärenzverständnis. Soll heißen, die Bedeutungsebene wird meist einfach als Voraussetzung betrachtet. Ein Beispiel:

 

Nehmen wir die Frage: “Hast du das verstanden?”

 

Diese würde im Japanischen etwa so ausgedrückt:

 

わかりますか。wa – ka – ri – ma – su – ka

    • wakari ist ein Substantiv, das bedeutet “Verständnis, Verstehen”

 

  • masu ist ein Hilfsverb im höflichen Sprachgebrauch; dadurch wird das Substantiv zum Verb, wenn man so will
  • ka ist ein sogenanntes Interrogations- oder Fragepartikel und ist in diesem Beispiel das entscheidende Element, welches die Aussage wakarimasu “Ich verstehe” in wakarimasuka “Hast du das verstanden?” umwandelt

 

 

Man sieht, es fehlen die Pronomen, das Objekt (in diesem Falle “das”, welches auf die Thematik verweist, die verstanden werden soll) und die Beugungen, die Numerus und Person ausdrücken. Im Japanischen nehmen die jeweiligen Zuhörer einfach zur Kenntnis, dass sie angesprochen sind, wenn eine Frage gestellt wird — es sei denn es wird vom Sprecher explizit das Gegenteil formuliert.

わかりますか。ließe sich, wenn man den Ausdruck eins zu eins ins Deutsche übertragen würde, mit der Frage “Verstehnse?” vergleichen. Nur ist “Verstehnse?” eine eher unhöfliche Formulierung, während わかりますか。eine im höflichen Alltagsumgang völlig normale Frage darstellt.

Nach diesem Wasserfall an Informationen schwillt euch bestimmt erst einmal der Kopf und ich würde euch raten, zunächst eine Pause einzulegen, bevor ihr euch der nächsten Lektion widmet. Diese wird den ersten Teil der japanischen Silbenschrift — die ひらがな (hiragana) — behandeln.

Nun folgt noch die Analyse der Konversation zwischen Frau Müller und Frau Schmidt.

 

In der Konversation …

 

ムエラーさんおはようございますシュミットさん元気ですか。」

シュミットさん元気ですありがとうムエラーさん。」

 

Kommen ひらがな als auch カタカナ (katakana) zum Einsatz. Die Namen der beiden Protagonistinnen stehen dabei in カタカナ:

 

  • ムエラー bedeutet “Müller” geschrieben als mu – e – rah, da es im Japanischen weder “l” noch “ü” gibt. Die Namen vor den japanischen Klammern「」geben also wie in einem shakespeareschen Drama die Sprechrollen an.
  • ショミット ist die phonetische Umsetzung des Nachnamens “Schmidt” als sho – mi – t – to.
  • さん (sa – n) ist das Höflichkeitspartikel, das an den Nachnamen des Gegenübers angefügt wird. Da sich die beiden aus der Distanz als Nachbarn kennen, ist diese Höflichkeitsform hier angebracht.
  • おはようございます (o – ha – yo – u – go – za – i – ma – su) ist eine gängige Begrüßungsfloskel, die am Vormittag gebraucht wird und bedeutet “Guten Morgen”. Wörtlich bedeutet おはよう (ohayou) “Es ist noch früh am Tage”.
  • 元気ですか (gen – ki – de – su – ka) steht für eine gängige Floskel, die gebraucht wird, wenn man sich nach dem werten Befinden des Gesprächspartners erkundigen möchte. Wörtlich bedeutet die Phrase: “Wie ist die Gesundheit?” Darauf antwortet Frau Schmidt wortwörtlich: “Ich bin gesund” — 元気です (genkidesu)
  • ありがとう (a – ri – ga – to – u) dürfte vielen unter euch bereits bekannt sein und ist eine der Arten, auf die man sich bedanken kann. Wörtlich bedeutet diese Floskel “Es ist schwer beschreibbar” oder “Es ist selten”. In obigem Kontext sagt Frau Schmidt also “Danke der Nachfrage”.

 

Tatsächlich ist die ursprüngliche Bedeutungsebene vieler japanischer Floskeln von der eigentlichen Aussage losgelöst und wirkt ungewöhnlich distanziert gegenüber den deutschen Phrasen. Wer der englischen Sprache mächtig ist, findet zu diesem Thema hier einen trefflichen Artikel, da ich hier nicht weiter ins Detail zu dieser Sache gehen möchte.

Wir sehen uns in der nächsten Japanisch Lektion.

Hat dir diese Lektion weitergeholfen? Dann sieh dir doch auch unser Japanisch Lernkarten Buch an, mit dem du mehr als 600 Vokabeln innerhalb der nächsten 30 Tage lernen kannst.

 

いってらっしゃい。

Japanisch lernen – Den Anfang machen

Japanisch Lernen

Wie muss ich mir den Schwierigkeitsgrad vorstellen, wenn ich damit beginne, Japanisch zu lernen?

Viele von euch, liebe Leser, denken bestimmt, Japanisch lernen ist schwieriger, als sich an einer romanischen, germanischen oder slawischen Sprache zu versuchen. Ganz allgemein stellt der Erwerb einer Fremdsprache, der fälschlicherweise meist als “Lernen” bezeichnet wird, für viele einen nur schwer erklimmbaren Berg dar. Man erinnert sich dahingehend womöglich an Schulzeiten, als es zur Pflicht wurde, Englisch als erste Fremdsprache zu erlernen, wobei der Nutzen durch die globale Verbreitung noch erkennbar war, und noch eine zweite und mancherorts dritte hinzu zu wählen, was viele mit den Worten “Wann werde ich das schon brauchen?” abgewunken haben.

Verständlich! Wird doch im schulischen Sprachunterricht die Methode des Eintrichterns, Einpaukens, Einhämmerns etc. bevorzugt. Haufen von Vokabeln, Berge von grammatikalischen Regeln und sich ansammelnde, stumpfsinnige Wiederholungen der immer und immer gleichen Phrasen. Da ist es nicht verwunderlich, zu sehen, wie Viele bereits vor dem Gedanken zurückschrecken, sich an einer neuen Sprache zu versuchen. Wird man dann noch mit einer konfrontiert, die ein Symbolsystem benutzt, das nicht in die Kategorien der indo-germanischen oder romanischen Sprachfamilien einordenbar ist, erzeugen die Erfahrungen, die man durch den schulischen Spracherwerb gewonnen hat, durchaus bei dem ein oder anderen Schwindelgefühle.

Aber das muss nicht sein! Beim Erwerb einer neuen Sprache steht nicht das sture Auswendiglernen von Vokabeln im Vordergrund (obschon man nur in den seltensten Fällen komplett um das Lernen herumkommt), sondern die Auseinandersetzung mit der Sprache im Kontext der Kultur, die sie umgibt. Sprich: wer sich mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten, den kulturellen Gegebenheiten und ganz allgemein den Kulturgütern (ob es sich nun um Kunst, Literatur oder die sog. “neuen” Medien handelt) auseinandersetzt, wird bald bemerken, dass sich eine Art Wechselbeziehung zum Spracherwerb einstellt.

Das bedeutet mit jedem Schritt auf dem Weg zum Nahezu-Muttersprachler lernt man mehr und mehr von der Kultur der Sprache zu verstehen und durch das zunehmende Verständnis der Kultur verbessert sich automatisch das linguistische, also das Sprachverständnis. Ganz allgemein nennt man diesen Effekt “Erwerb durch Immersion.” Dazu an späterer Stelle mehr — vor allem, wie ihr euch diesen Effekt zu Nutzen machen könnt.

Zunächst seid ihr an diese Stelle gelangt, weil ihr aus welchen Gründen auch immer auf die japanische Sprache aufmerksam geworden seid und euch nun fragt, wie schwierig denn das “Lernen” dieser Sprache ist.

Ist Japanisch lernen wirklich so schwer?

Vorweg kann ich das Bedürfnis, die japanische Sprache verstehen zu wollen, sehr gut nachvollziehen, ist doch im letzten Jahrzehnt die Woge der japanischen Kultur, die auch zu uns gelangt ist, stetig angewachsen. Ob nun die Rede von Anime (アニメ), Manga (漫画、まんが), Origami (折り紙、おりがみ), Ikebana (生け花、いけばな) oder Kabuki (歌舞伎、かぶき) ist, diese Formen japanischer Kunst dürften unlängst den meisten ein Begriff sein (wenn nicht, die Begriffe werden am Ende des Artikels noch kurz erläutert). Auch im kulinarischen Bereich sind Sushi (寿司、すし), Miso-Suppe (味噌汁、みそしる) und Sake (酒、さけ) keine Fremdbegriffe mehr. Und sicher weiß man, dass Judo (柔道、じゅうどう), Karate (空手、からて) und Karaoke (空オケ、カラオケ) japanischen Ursprungs sind, auch wenn man die eigentliche Bedeutung nicht kennt.

Wie schwierig ist es aber nun, sich die japanische Sprache anzueignen, wenn man einmal den Entschluss dazu gefasst hat? Sicher ist es doch als deutscher Muttersprachler viel schwieriger, Japanisch zu lernen als z.B. Englisch, Spanisch oder Schwedisch?

Nein, eigentlich ist es das nicht. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass Japanisch lernen wesentlich leichter ist als Englisch.

Kann nicht sein! werdet ihr euch sagen. Jeder kann doch Englisch und nur wenige Menschen können Japanisch!

Dem würde ich entgegenhalten, dass auch nur wenige Nichtmuttersprachler (und auch allerhand Muttersprachler) die englische Sprache nicht beherrschen. Tatsächlich würde ich Englisch als eine eher komplizierte Sprache sehen, was uns sofort bewusst würde, wenn die Sprache nicht zur de facto Lingua Franca der Welt geworden wäre.

Die Aussprache im Englischen ist zum Beispiel mehr oder minder willkürlich (vgl. loot/foot/dude/lewd), ist ohne Vorwissen teilweise nicht nachvollziehbar (indictment wird wie “indaitment” gesprochen, victuals wie “wittls” und gaoler ist eine alte Schreibweise für jailer) oder die Aussprache ändert sich je nach Betonung, wobei sich auch die Bedeutung ändert (presént — darlegen/zeigen; présent — Geschenk/Gegenwart oder désert — Wüste; desért — desertieren). Diese Dinge mögen für den Laien von geringem Interesse sein, aber ohne dieses Vorwissen macht man sich schnell zum Gespött.

Im Japanischen hingegen werden Worte genau so ausgesprochen, wie sie auf dem sprichwörtlichen Papier erscheinen. Es gibt seltene Fälle, in denen die Betonung auf unterschiedliche Silben eine jeweils andere Bedeutung zur Folge hat, aber kein Japaner (es sei denn, es handelt sich um einen besonders gemeinen) würde eine verwechselte Betonung einem gaijin (外人、がいじん), also einem Ausländer, ankreiden. Ansonsten werden die japanischen Silben immer gleich ausgesprochen und Melodie im gesprochenen Japanisch zu erzeugen, ist lediglich eine Sache der Übung.

Ein weiterer Grund, warum man mit der einleitenden Aussage vorsichtig umgehen sollte, sind die grammatischen Zeitformen im Englischen. Ein Graus, wenn ich daran denke, wieviele Jahre es mich gekostet hat, bis ich den sicheren Umgang mit den immerhin sechzehn Zeitformen (wenn man die Konditionalformen hinzu zählt) beherrschen konnte. Wesentlich übersichtlicher präsentieren sich die Zeitformen in der japanischen Sprache — es gibt drei. Das ist zwar nicht ganz korrekt, aber die deutsche, klassische Grammatik lässt sich nur unzufriedenstellend auf die japanische Sprache anwenden. Eines lässt sich dafür mit Bestimmtheit sagen: Es gibt keine irregulären Verben.

Nehmen wir gleich die deutsche Sprache noch zum Vergleich. Persönlich hat mich hier immer die Vielzahl an bestimmten und unbestimmten Artikeln fasziniert, die man lernen müsste, wenn man die Sprache nicht in die Wiege gelegt bekommen hätte. Und wem das nicht genug ist, der schaue darauf, wie vielfältig sich die Artikel von Fall zu Fall beugen. Beim Wort Baum allein ergeben sich “der Baum”, “des Baumes”, “dem Baum” und “den Baum”. Außerdem erscheinen die Artikel durch den Entwicklungsweg der Sprachgeschichte in reinster willkür gewählt; man denke nur an “das Messer”, “der Löffel”, “die Gabel”. Im Japanischen hingegen gibt es Schlichtweg keine Artikel — Partikel ja, aber keine Artikel. Auch dazu an anderer Stelle mehr.

Man sieht bereits an diesen Beispielen, dass Japanisch lernen viel einfacher ist, als es augenscheinlich der Fall ist.

Aber die ganzen Symbole auswendig zu lernen, ist doch bestimmt unheimlich kompliziert und schwierig!

2000 Japanische Schriftzeichen

Es stimmt. Wenn man wirklich alle Symbole lernen wollte, dann wäre man sicher auf ein Jahrzehnt oder mehr beschäftigt. Die Gesamtzahl der Kanji (漢字、かんじ), also der Symbole der japanischen Sprache, wird auf etwa 50.000 geschätzt. Nur wenige Experten, wenn überhaupt, werden wohl so einen Wortschatz besitzen. Aber nicht verzagen! Die Regierung Japans hat erstmals 1981 eine Liste (die “jouyou kanji” 常用漢字、じょうようかんじ) der meist verwendeten Symbole und deren üblichste Lesarten herausgegeben, welche etwas über 2.000 Kanji aufzählt. Beherrscht man diese Symbole, kann man jede Zeitung, jeden Manga und 99 % aller japanischen Websites lesen.

Auch die Zahl 2.000 dürfte bei einigen von euch für Unmut sorgen, aber nicht verzagen! Seht euch doch einmal die folgenden Kanji an und versucht, ob ihr nicht ohne Hilfsmittel deren Bedeutung erraten könnt. Lasst euch dabei von eurer bildlichen Fantasie leiten, denn die Symbole sehen den Dingen, die sie bezeichnen, sehr ähnlich! (Die Auflösung findet ihr am Ende des Artikels.)

 

Wenn ihr nun Lust bekommen habt, nicht nur eine neue aufregende Sprache zu lernen, sondern auch eine Kultur kennen zu lernen, die beinahe im kompletten Gegensatz zu unserer westlichen Welt steht, dann erwarten euch hier auf unserer kleinen Seite noch viele Lektionen, mit denen ihr ohne weiteres Vorwissen mit dem Japanisch lernen beginnen könnt.

 

Folgend sowie auch für spätere Artikel findet und werdet ihr eine Liste mit den im Text verwendeten Kanji und deren Aussprache finden. Für die ersten Lektionen wird außerdem die Niederschrift in Romaji (ローマ字、ローマジ) verwendet. Sobald ihr die Silbenschrift sicher lesen könnt, werdet ihr Romaji allerdings nicht mehr benötigen, sodass wir in späteren Lektionen darauf verzichten. Die Reihenfolge richtet sich an die Position im Text.

 

アニメ— a-ni-me

Anime, aus dem Englischen Animation, bezeichnet japanische Trickfilme oder Cartoons. Da es sich hierbei um ein Lehnwort handelt, gibt es kein eigenes Symbol. Stattdessen wird das Wort, wie alle Lehnworte und ausländischen Begriffe, mit Katakana dargestellt. In späteren Lektionen stellen wir die Silbenschriften ausführlich vor.  

 

漫画、まんが ma-n-ga

Manga werden vorschnell als “nichts weiter” als japanische Comics verschrien. Dabei handelt es sich bei den kleinen Bilderromanen um viel mehr als bloße Unterhaltungsmedien. So gibt es, vor allem in Japan, Manga zu allen nur erdenkbaren Themen wie Gartenarbeit, Vorstellungsgesprächen, kulinarischen Kuriositäten und Köstlichkeiten und schlichtweg so ziemlich alles!

Der Begriff setzt sich aus den Kanji für Cartoon 「」und Bild 「」zusammen.

 

折り紙、おりがみ — o-ri-ga-mi

Wer gerne bastelt oder kreativ mit den Händen arbeitet, hat sich vielleicht schon einmal an der aus Japan stammenden Kunst des Papierfaltens versucht oder zumindest von Origami gehört! Zu den bekanntesten Figuren gehört wohl der Kranich, der schon in den 80er-Jahren Auftritte in westlichen Kinos hatte. Ich erinnere da nur an den Film Blade Runner.

Der Begriff setzt sich aus den Kanji für Falz oder falten 「」und Papier 「」zusammen. Wer hier genau aufgepasst hat, sollte die Silbe “ri” 「」zwischen den Kanji entdeckt haben. Diese fungiert quasi als Aussprachehilfe, da sich der Begriff auch ohne diese Fugensilbe schreiben lässt. Wir werden auch in zukünftigen Lektionen stets die gebräuchlichste Schreibweise verwenden, um unnötige Irreführung zu vermeiden.

 

生け花、いけばな — i-ke-ba-na

Schon etwas unbekannter dürfte die japanische Kunst des Arrangierens von Blumen sein, obschon auch in Deutschland so mancherorts Kurse angeboten werden.

Aus den Kanji für Leben「」und Blumen「」bildet sich der Begriff Ikebana.

 

歌舞伎、かぶき — ka-bu-ki

Die aus der Edo-Periode stammende japanische Darstellungskunst des Kabuki-Theaters erfreut sich auch heute noch im Herkunftsland großer Beliebtheit. Mit klassischen Formen der westlichen Theaterwelt ist es nur schwer vergleichbar — schon gar nicht mit shakespeareschen Theateraufführungen! Am besten macht man sich selbst ein Bild (LINK). Die Aufnahme stammt aus dem wohl traditionellsten Kabuki-Theater, dem Kabukiza (was ebenfalls “Kabuki-Theater” bedeutet) in Tokio.

Der Begriff selbst bildet sich aus den Symbolen für Gesang 「」, Tanz 「」und Kunst(fertigkeit) 「」.

 

寿司、すし su-shi

Sushi ist die wohl bekannteste kulinarische Delikatesse, die man aus Japan kennt und jeder, der Sushi hört, wird wohl unweigerlich an das Land der “Wiege der Sonne” denken. Dabei hat anscheinend so manch einer den Eindruck mit auf den Weg bekommen, dass Sushi bei den Japanern ein tägliches Gericht, sozusagen eine Hauptmahlzeit, darstellt. Dieser Glaube ist tatsächlich falsch, denn Sushi ist für den Durchschnittsjapaner als “Ausgeh-Mahlzeit” nicht täglich erschwinglich und für die meisten schon eine Delikatesse. Man könnte sogar sagen, dass so mancher Deutscher öfter Running-Sushi-Restaurants aufsucht als der Otto-Normal-Japaner.

Mittlerweile finden sich unzählige Anleitungen, Rezepte und Ideen zu dieser Spezialität auch Online (ich sage nur youtube), denn neben der Grundzutat Reis finden sich auch nebst Fisch noch Gemüse, Ei, Tofu usw. in Sushi wieder. Rollmatten, die man zum Umwickeln mit nori (海苔、のり), dem getrockneten Seetang, braucht sowie die Seetangblättchen selbst findet man mittlerweile  sogar im Discounter.

Anders als bei den bisherigen Begriffen ist sushi hier in phonetischer (und damit der gebräuchlichsten) Schreibweise abgebildet. Die Symbole selbst haben also in diesem Fall mit dem Inhalt nichts zu tun! Allerdings gibt es noch eigene Kanji für den Begriff: 「」und「」.

Das nur am Rande und der Vollständigkeit halber.

味噌汁、みそしる — mi-so-shi-ru

Miso (aus 「味噌」“anregender Geschmack”) ist eine aus Sojabohnen hergestellte Paste, die ein traditionelles Element der japanischen Küche darstellt und sich in vielen Reis-, Gemüse- und Nudelsuppen wiederfindet. Eben auch in der misoshiru, der Misosuppe.

Anders als Sushi gehören die erwähnten Suppen zum sprichwörtlichen täglich Brot in Japan, zu dem auch die hierzulande bekannten Ramen-Nudeln (ラーメン) gehören, die ursprünglich aus China stammen, aber auch von Japanern, vor allem in Instant-Form, en masse verdrückt werden.

 

酒、さけ — sa-ke

Sake ist ein alkoholisches Getränk, das unter Fermentierung von Reis hergestellt wird, wodurch sich auch der geläufige Name “Reiswein” erklären dürfte, wobei Sake im Gegensatz zu Weißwein warm serviert wird und erst dadurch seinen vollen Geschmack entfaltet (um nicht zu sagen, kalter Sake schmeckt einfach nur widerlich). Wer es ganz traditionell mag, schenkt Sake aus eigens dafür gemachten Gefäßen in Schälchen (wichtig: mit beiden Händen!).

 

柔道、じゅうどう — ju-u-do-u 、空手、からて — ka-ra-te

Judo und Karate sind die wohl bekanntesten Kampfsportarten aus Japan und erfreuen sich auch heute noch einer großen Anhängerschaft in Deutschland, wenngleich das Angebot für Neueinsteiger seit den 2000ern einen Rückgang zu verzeichnen hat. Womöglich weil der B-Movie-Kampfsportfilm seine Ruhmeszeiten in den 80ern und 90ern ausgelebt hat. Aber ich schweife ab …

Judo bedeutet “der sanfte Pfad” und Karate “die leere Hand” (und setzen sich aus den dementsprechenden Symbolen zusammen). Beim Judo wird mittels Körperwürfen das Moment des Gegners genutzt, um diesen außer Gefecht zu setzen und Karate, ähnlich dem Boxen, setzt auf gezielte Körpertreffer. In beiden Fällen besitzen die Begriffe geradezu lyrische Qualität.

 

空オケ、カラオケ — ka-ra-o-ke

Rein etymologisch betrachtet, ist der Begriff “Karaoke” schon ein Sonderling. Für europäische Ohren hört er sich definitiv japanisch an und doch ist er ein Semi-Lehnwort, wenn man so will. Der Bedeutung nach heißt karaoke “leeres Orchester” (und könnte somit treffender kaum sein) und setzt sich aus dem Kanji für “leer, ohne Inhalt” 「」und den aus Katakana gebildetem oke 「オケ」zusammen, wobei オケ eine Abkürzung für orchestra — also Orchester — darstellt. Ein Sonderling sondergleichen!

Dass es sich bei Karaoke um das durch Teleprompter gestützte Singen von popkulturellen Stücken handelt, bedarf hingegen wohl keiner weiteren Erklärung.

 

外人、がいじん — ga-i-ji-n

Als gaijin werden vornehmlich europäischstämmige Nicht-Japaner bezeichnet. Der Begriff selbst bedeutet dahingehend nicht mehr als “Person von außerhalb (Japans)” und beinhaltet somit die Kanji für “außen, außerhalb” 「」und Person 「」. Ein nihonjin (日本人、にほんじん) ist somit eine Japanerin oder ein Japaner.

“Gaijin” geht oft in der westlichen Welt mit einer negativen Konnotation einher, die zwar so nicht vorhanden ist, aber durch die Hollywood-Kinowelt verhunzt wurde. Deswegen ist es mittlerweile höflicher, Ausländer als gaikokujin (外国人、がいこくじん) zu bezeichnen, was auch nicht mehr bedeutet als “Person eines Landes außerhalb (Japans)”.

Auch das Wort Geisha (芸者、げいしゃ) hat unter dem Einfluss Hollywoods gelitten und bedeutet deshalb für viele so viel wie “Edelprostituierte”, was nicht vollkommen unkorrekt ist, aber immer noch kilometerweit an der Wahrheit vorbei.

 

常用漢字、じょうようかんじ

Wie im Text bereits erwähnt, handelt es sich bei den jouyoukanji um eine Liste mit den am häufigsten verwendeten Kanji und deren gebräuchlichsten Schreib- und Lautweisen Japans. Die Liste beinhaltet derzeit genau 2.136 Kanji und wird von der Regierung Japans, bzw. der zuständigen Kommission, gepflegt. Die einzelnen Symbole ergeben, wie man vermuten kann, von links nach rechts “häufig”, “benutzt”, “chinesisch” und “Symbol”.

 

Zu guter Letzt folgt nun noch die Auflösung unseres kleinen Rätsels. Wer aufmerksam gelesen hat, sollte bereits zwei Symbole wiedererkannt haben.

Ein einzelner waagerechter Strich ergibt “eins” — i-chi 「いち

Zwei waagerechte Striche ergeben “zwei” — ni 「

Drei waagerechte Striche sind folglich “drei” — sa-n 「さん

Ein halbes Strichmännchen steht für “Person” — hi-to 「ひと

Eine magere Tanne bedeutet “Baum” — ki 「

Ein angedeuteter Gipfel bezeichnet den “Berg” — ya-ma 「やま

Drei Strömungen ergeben einen “Fluss” — ka-wa「かわ

Ein Kreuz sieht dem römischen X (10) ähnlich — ju-u 「じゅう

Ein Quadrat kann auch ein offener Mund sein — kuchi 「くち

Eine Hand besitzt vier Finger und angewinkelten Daumen — te 「

 

Ich bin mir sicher, ihr habt bestimmt mehr als die Hälfte der Symbole bereits erraten können und wenn ihr so viel Freude beim Lesen des Artikels hattet wie ich beim Schreiben, dann sehen wir uns in der nächsten Lektion wieder.

Wenn dir diese Lektion weitergeholfen hat, solltest du dir auch unser Lernkarten Buch holen, mit dem du mehr als 600 Vokabeln innerhalb der kommenden 30 Tage lernen kannst.

Viel Erfolg auf eurem weiteren Lernweg!

 

いってらっしゃい。 Bis bald!