Japanisch Lernen – Die Japanischen Kana: Hiragana Und Katakana

Japanische Kana lernen

こんにちは、学生たち。

 

Hallo, zusammen. In dieser Japanisch lernen Lektion behandeln wir ひらがな (hiragana) und カタカナ (katakana). Erstere werden in der japanischen Sprache vor allem für Satzpartikel, Floskeln und allgemein zur Transkription von Wörtern eingesetzt. Darüber hinaus werden Kinder und einführende Lehrbücher meist vollständig in ひらがな geschrieben.

Letztere, die カタカナ, kommen bei Fremd- und Lehnwörtern zum Einsatz. Ein Beispiel hierfür wäre レバ (re – ba), was aus dem deutschen Wort für Leber (gastr.) abgeleitet ist.

Die folgenden Tabellen zeigen die Silben in der Übersicht zusammen mit der jeweiligen Strichreihenfolge. Beim Lernen und Üben der Silben ist es wichtig, dass man sich die Strichreihenfolge einprägt und sich auch beim Schreiben daran hält. Wenn ihr euch fragt, warum das so wichtig ist, dann schaut euch ein handgeschriebenes Dokument eines japanischen Muttersprachlers im Vergleich mit einem maschinell erstellten an: Identifikation von handgeschriebenen Sauklauen ist ohne erkennen der Strichreihenfolge kaum möglich. Im Deutschen ist dies ähnlich, nur sind wir natürlich als Muttersprachler an die Fließrichtung von handgeschriebenen Texten gewöhnt.

Für Linkshänder können die Strichreihenfolgen am Anfang etwas ungewöhnlich sein, weil man sozusagen gegen das Papier drückt. Man sollte sich allerdings dennoch an die Vorgaben halten und womöglich stört es auch die Linkshänder unter euch nicht mehr, wenn erst einmal der korrekte Schreibfluss hergestellt wurde.

Als Faustregel gilt, die Strichfolge japanischer Symbole folgt der Priorität “von links nach rechts und von oben nach unten”. Bevor man sich damit selbst versucht, sei hier angeraten, sich bei neuen Vokabeln immer zuerst die Strichfolge zu betrachten.

Man sollte beachten, dass sich die handschriftlichen Symbole etwas von den Druck-Symbolen unterscheiden. Das lässt sich mit dem Unterschied im Deutschen zwischen Druckbuchstaben und Kursivbuchstaben vergleichen.

 

In Tae Kims exzellentem Handbuch zur japanischen Grammatik findet ihr animierte Anleitungen zur Strichfolge zusammen mit der jeweiligen Aussprache:

http://www.guidetojapanese.org/learn/grammar/hiragana

Weitere Aussprachehilfen finden sich hier:

http://www.saiga-jp.com/pronunciation_voice.html

Am Schluss des Artikels findet ihr noch Links zu Übungszetteln für die beiden Silbensysteme, aber zuerst solltet ihr euch diese Lektion durchlesen, in der wir auf die Besonderheiten hinweisen.

Hiragana

 

Die Tabelle wurde hier entnommen (CC BY-SA 3.0).

Folgendes solltet ihr bei ひらがな beachten bzw. wissen:

 

    • und (wi und we) gehören zu den obsoleten kana und werden so gut wie nicht mehr im modernen Sprachgebrauch benutzt. Ich persönlich habe die beiden Symbole außerhalb einer hiragana-Tabelle noch nicht zu Gesicht bekommen. Prinzipiell reicht es daher bei diesen beiden kana zu wissen, dass es sie gibt.

 

  • (wo) tritt (fast) nur als Partikel auf. Beispielsweise um ein indirektes Objekt zu kennzeichnen.

 

  • Eine hohe Verwechslungsgefahr besteht bei den “Paarungen” und (ru und ro), und (re und ne),und(nu und me),und(sa und chi) als auch den kana(ha),(na),(ta) und(ni), die sich gerade zu Beginn des Lernprozesses zum Verwechseln ähnlich sehen. Mein Vorschlag hierbei ist: Lasst euch Zeit! Seht euch alles in Ruhe an, nehmt euch jeden Tag ein paar Übzettel vor (wem das Ausdrucken zu teuer oder zu verschwenderisch ist,  kann auch kariertes Papier nehmen und vier Kästchen zu einem gedachten großen verbinden) und versucht euch auch ruhig an gängigen Floskeln und kleineren Texten. Am wichtigsten ist, nicht zu verzagen. Am Anfang werdet ihr viele Fehler machen und euch manchmal wundern, warum ihr auch nach dem x-ten mal ein Symbol nicht korrekt identifizieren könnt. Das ist normal! Beim Erwerb der japanischen Sprache kommt der schwierigste Teil zuerst, dafür ist der Rest des Lernprozesses um ein vielfaches einfacher, als beispielsweise beim Erlernen von Englisch, wenn erst einmal die Grundlagen gefestigt sind.
  • In der R-Reihe solltet ihr besonders auf die korrekte Aussprache achten. Die japanischen R-Silben klingen etwas fremdartig. Man könnte die Aussprache als Zwischenstufe zwischen “R” und “L” betrachten, aber über einen Laut zu schreiben, ist natürlich vergebene Liebesmüh. In jedem Falle solltet ihr darauf achten, wenn ihr euch die Aussprachen anhört, dass die Beispiele auch von japanischen Muttersprachlern gesprochen werden (auf den Seiten hinter den oben genannten Links ist dies der Fall). Es gibt viele Youtuber, die keine japanischen Muttersprachler sind aber der Meinung, sie besäßen keinen “ausländischen” Akzent.
  • Auch die U-Reihe gestaltet sich als nicht ganz einfach. Meist hört er sich an, wie eine Mischung aus dem deutschen Vokal “U” und Umlaut “Ü”. Erschwerend hinzu kommt, dass sich dieser Laut am stärksten dialektisch verschiebt und wird teilweise auch nur angedeutet. Ein Beispiel: Das japanische Wort 少し (すこし、“wenig, gering”) wird normal wie “sukoshi” ausgesprochen; je nach Dialekt werden Teile davon allerdings verschluckt, sodass auch die Varianten “s’koshi” oder sogar “s’kosh’” (denn auch der I-Laut wird gern verschluckt) durchaus nicht ungewöhnlich sind. Hier hilft wirklich nur genau hinhören und üben, üben, üben!
  • Zur W-Reihe gibt es auch kaum Annäherungen in den romanischen oder germanischen Sprachfamilien. Anders als im Englischen, Deutschen oder Französischen wird das “W” nicht im Lippenbereich gebildet, sondern am hinteren Zungenrücken unter Verbreiterung beider Lippen. Für die Phonetikinteressierten unter euch gibt es dazu diesen Wikipedia-Eintrag. Dass der Artikel entsprechend getaggt wurde, ist wenig verwunderlich, aber lässt sich nur schwerlich ändern. Mir würde zu diesem Laut auch nur Japanisch einfallen.

 

Katakana

 

Die Tabelle wurde hier entnommen (CC BY-SA 3.0)

 

Wer noch kein Auge dafür hat, ist sicher zunächst überwältigt vom japanischen Zweisilbensystem. Wie schon erwähnt, werden カタカナ für Fremdwörter, Lehnwörter und onomatopoetische Transkriptionen benutzt und sind daran erkennbar, dass sie kantiger wirken, als ihre Gegenstücke der ひらがな-Tabelle.

Viele der カタカナ sehen ihren Gegenstücken ähnlich, was das Lernen erleichtert, allerdings gleichen sie sich untereinander auch teils stark, was das Lernen wiederum erschwert.

 

Folgendes sollte daher beachtet werden:

 

    • Wie bei den ひらがな auch gelten für und (wi und we), dass sie kaum noch benutzt werden und offiziell obsolet sind.

 

  • (wo) findet in カタカナ-Form nur selten Anwendung, denn wie erwähnt, wird die Silbe fast ausschließlich als Partikel verwendet und Partikel werden gewöhnlich in ひらがな geschrieben.

 

  • Ähnlichkeiten zwischen ひらがな und カタカナ bestehen zwischen den Paaren: カ・か、ヤ・や、リ・り、キ・き、ヘ・へ、テ・て、モ・も、ム・む. Das vereinfacht das Lernen in diesen Fällen. Desweiteren sieht  カタカナ「ニ」so aus wie das kanji mit derselben Aussprache 「二」 (ni).
  • Und nun zum unangenehmen Teil. Große Verwechslungsgefahr besteht zwischen ひらがな「せ」und カタカナ「サ」(se und sa), da man fälschlich annehmen könnte, es handele sich durch die Ähnlichkeit um Symbole mit gleicher Aussprache.
  • ン、シ、ツ、ノ、ソ (n – shi – tsu – no – so) sehen sich schon fast zum Haareraufen ähnlich. Wer die Tabelle genau betrachtet, wird feststellen, dass die Längsstriche bei ツ、ノ、ソ senkrechter ausfallen als bei ン、シ und werden entsprechend auch von oben nach unten ausgeführt, während die etwas waagerechter angelegten Längsstriche bei ン、シ von links nach rechts ausgeführt werden. Man mag es kaum glauben, aber diese Differenz in den Strichfolgen macht den großen Unterschied. Die kleineren Striche sind bei ン、シ ebenfalls angewinkelter als bei ツ、ノ、ソ.
  • Auch die Reihe ワ、ラ、フ、ウ (wa – ra – fu – u) verdient eure besondere Aufmerksamkeit, da sich die Symbole nur durch wenige kleine Änderungen voneinander unterscheiden.

 

Übzettel findet ihr unter folgenden Adressen:

http://japanese-lesson.com/resources/pdf/characters/hiragana_writing_practice_sheets.pdf

http://japanese-lesson.com/resources/pdf/katakana_writing_practice_sheets.pdf

In der nächsten Lektion stellen wir euch noch die diakritischen Zeichen dakuten (濁点、だくてん “stimmhafte Markierung”) und handakuten (半濁点、はんだくてん “quasi-stimmhafte Markierung”) sowie die Digraphen, die youon (拗音、ようおん “verzerrter Klang”), vor. Das hört sich zunächst kompliziert an. Wenn ihr allerdings bis zur nächsten Japanisch Lektion ひらがな und カタカナ einigermaßen beherrscht, wird sie ein Kinderspiel.

Wir wünschen euch viel Erfolg und habt Spaß beim Lernen.

いってらっしゃい。

Japanisch Lernen – Die japanische Sprache auf einen Blick

Japanische Sprache

Was man wissen sollte, bevor man mit dem  Japanisch lernen beginnt.

 

In diesem Artikel möchte ich euch die Besonderheiten der japanischen Sprache vorstellen, die man zwar nicht unbedingt wissen muss, wenn man gleich loslegen will, allerdings können so einige Unklarheiten gleich im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden.

 

  1. Die japanische Sprache ist eine Silben- und Symbolsprache. Etymologisch (d.h. sprachhistorisch) betrachtet, wird allgemein davon ausgegangen, dass sie in der chinesischen Symbolschrift ihren Ursprung hat. Nach Meinung einiger Etymologen könnte das japanische Schriftbild auch unter Einfluss der Nachbarn im Westen der Inselkette in Quasi-Isolation entstanden sein, bedenkt man, wie stark abgewandelt es im Gegensatz zum chinesischen wirkt. In Zukunft wissen wir mehr.
  2. Es gibt im Japanischen zwei Silbensysteme, welche die Stützpfeiler der Satzstrukturen darstellen. Das wären zum einen die hiragana (ひらがな), die beim Schreiben nativer (also muttersprachlicher) Satzelemente zum Einsatz kommen und zum anderen die katakana (カタカナ), welche für Fremdwörter genutzt werden (oder auch für onomatopoetische, also lautmalerische, Ausdrücke in Manga).
  3. Neben den Silben gibt es die japanischen Symbole — die kanji (漢字、かんじ). Kanji stehen stellvertretend für Substantive, Adjektive, Adverben etc. und werden durch “Anhängen” von hiragana konjugiert. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass es verschiedene Lesarten der kanji gibt, je nachdem, ob sie isoliert stehen oder im Verbund mit anderen kanji. Die “Verbundlesart” nennt sich onyomi (音読み、おによみ) und sie wird meistens (es gibt wie immer Ausnahmen) dann eingesetzt, wenn kanji Wortzusammensetzungen bilden. Die kunyomi (訓読み、くんよみ) Lesart wiederum kommt zu tragen, wenn kanji in Isolation stehen, bzw. selbst einen eigenen Begriff bilden.
  4. Hinsichtlich der Aussprache wird im Japanischen jede Silbe gleich betont, was sich für landesfremde Ohren teilweise monoton anhören kann. Oft klingt dabei die letzte Silbe eines Wortes aus, wobei auch leicht der Eindruck entstehen könnte, es würden immer die letzten Silben betont. Tatsächlich reihen sich die (oft sehr schnell) gesprochenen Sätze in einem melodischen Auf und Ab aneinander. Dass einzelne Wörter durch unterschiedliche Betonung ihre Bedeutung ändern ist zwar selten, aber man sollte sich zumindest bewusst sein, dass es so etwas gibt. Ein Beispiel dafür wäre ame (あめ), das je nach Betonung entweder Regen (auf der ersten Silbe betont) oder Süßigkeit (auf der zweiten Silbe betont) bedeutet. Man sollte sich dennoch keine allzu großen Sorgen darum machen, auch wenn man in Gegenwart eines Muttersprachlers etwas falsch betonen sollte, wird diese(r) wohl kaum ein Bonbon anbieten, wenn man mit falscher Betonung darauf hinweist, dass es wie aus Eimern gießt.
  5. Weniger geläufig dürfte der Unterschied der Sprechweisen zwischen japanischen Frauen und Männern sein, die sich nicht nur in ihrer Wortwahl, sondern ebenso in ihrer Klangfarbe und Melodie beim Sprechen voneinander unterscheiden. Das kann zum Beispiel auffallen, wenn Mann (in diesem Falle) bei einer Japanisch-Lehrerin Unterricht nimmt und nach beendetem Lehrgang sich deutlich femininer anhört, als man es erwarten könnte. Dieser Umstand lässt sich beim Lernen nur schwer regulieren (da man ja erst sehr viel später ein Gehör für sprachliche Nuancen entwickelt) und man sollte sich wohl auch nicht den Kopf zerbrechen, wenn man ab und an schief angeschaut wird — das passiert Nicht-Muttersprachlern so oder so.
  6. Wie in fast allen anderen Sprachen auch, gibt es im Japanischen verschiedene Ebenen der Höflichkeit. Anders als in romanischen und germanischen Sprachen, die Höflichkeit vor allem über die Anwendung bestimmter Pronomina (meist die zweite Person plural) und entsprechende Konjugationen ausdrücken, werden Höflichkeit und Familiarität im Japanischen durch verschiedene “Anhängsel” hergestellt. Das bekannteste unter ihnen dürfte wohl der Anhang “-san” sein, der so viel bedeutet wie “Herr” oder “Frau”. Als Beispiel könnte sich ein typisches Gespräch zwischen Frau Müller und Frau Schmidt etwa wie folgt gestalten:

 

ムエラーさん 「おはようございます、シュミットさん。げんきですか。」

シュミットさん 「げんきです。ありがとう、ムエラーさん。」

 

Frau Müller: Guten Morgen, Frau Schmidt. Wie geht es Ihnen?

Frau Schmidt: Mir geht es gut. Danke der Nachfrage, Frau Müller.

 

Dieser Satz wird am Ende der Lektion noch einmal detailliert zerpflückt.

 

Damit die Übersicht gewahrt bleibt, sei nur gesagt, das eigene Gegenüber sollte im Zweifelsfall stets mit “-san” angesprochen werden (insofern man den Namen kennt), wobei der Familienname der Person verwendet werden sollte, es sei denn man kennt sich sehr gut untereinander (bei gleichgeschlechtlichen Verhältnissen). Als Mann eine Frau beim Vornamen zu nennen impliziert hingegen schon eine Intimität, die über ein freundschaftliches Verhältnis hinausgeht. Wer also unbedacht mit Vornamen umgeht, kann durchaus so mancher Dame die Schamesröte ins Gesicht treiben.

7. Satzbau im Japanischen

Der Satzaufbau im Japanischen folgt meistens der Regel Subjekt-Objekt-Prädikat. Dieser Umstand kann zu Beginn für einige Verwirrung sorgen, da man als deutscher Muttersprachler an die Folge Subjekt-Prädikat-Objekt gewöhnt ist. Beziehungsweise wird im modernen Sprachgebrauch durch die verbreitete Verwendung des Perfekt das Objekt vom Prädikat umschlossen (auch wenn das Latein an dieser Entwicklung nicht ganz unbeteiligt war). Der japanische Satzbau ist mehr oder minder starr, während im Deutschen die Elemente eines Satzes fast schon beliebig vertauscht werden können.

Vergleicht man die Beispielsätze …

 

  • Sie hat den Apfel vom Händler gestohlen.
  • Den Apfel hat sie vom Händler gestohlen.
  • Vom Händler hat sie den Apfel gestohlen.

 

… so fällt auf, dass Subjekt und direktes wie indirektes Objekt untereinander austauschbar sind, ohne dass der ursprüngliche Sinn des Satzes verloren geht, wenngleich das Augenmerk auf unterschiedliche Elemente gerichtet wird und somit entweder der Händler, “sie” oder der Apfel in den Fokus rücken. In jedem Fall ist klar, wer Täter, wer Opfer und was das Objekt der Begierde ist. Mehr noch wird durch diese Beispielsätze die “Umklammerung” des Prädikats verdeutlicht, von welcher man sich nicht ohne Weiteres lösen kann.

Als Beispiel kann man sich die Sätze “Den Apfel vom Händler sie gestohlen hat” und “Den Apfel vom Händler sie hat gestohlen” betrachten. An sich sind diese Beispiele nicht ungrammatisch, nur wurde die S-P-O-Folge in eine O-S-P-Folge umgewandelt, wodurch die Sätze sich anhören, als wären sie frisch einem Theaterstück entsprungen oder als wären sie Yoda über die Lippen gekommen.

Dass im Deutschen die Satzelemente beliebig vertauscht werden können, liegt in der Notwendigkeit zur Kongruenz begründet, was soviel bedeutet wie die Beziehung oder Übereinstimmung der Satzelemente untereinander. Grundlegend müssen sich Subjekt und Prädikat in Numerus und Person gleichen, damit die Kohäsion, also der grammatikalische Zusammenhalt, im Deutschen gewahrt bleibt.

Im Japanischen hingegen wird Kongruenz nicht durch Konjugation von Verb und Subjekt hergestellt, sondern durch die “Starre” der Satzglieder und ein zugrundeliegendes sozio-linguistisches Kohärenzverständnis. Soll heißen, die Bedeutungsebene wird meist einfach als Voraussetzung betrachtet. Ein Beispiel:

 

Nehmen wir die Frage: “Hast du das verstanden?”

 

Diese würde im Japanischen etwa so ausgedrückt:

 

わかりますか。wa – ka – ri – ma – su – ka

    • wakari ist ein Substantiv, das bedeutet “Verständnis, Verstehen”

 

  • masu ist ein Hilfsverb im höflichen Sprachgebrauch; dadurch wird das Substantiv zum Verb, wenn man so will
  • ka ist ein sogenanntes Interrogations- oder Fragepartikel und ist in diesem Beispiel das entscheidende Element, welches die Aussage wakarimasu “Ich verstehe” in wakarimasuka “Hast du das verstanden?” umwandelt

 

 

Man sieht, es fehlen die Pronomen, das Objekt (in diesem Falle “das”, welches auf die Thematik verweist, die verstanden werden soll) und die Beugungen, die Numerus und Person ausdrücken. Im Japanischen nehmen die jeweiligen Zuhörer einfach zur Kenntnis, dass sie angesprochen sind, wenn eine Frage gestellt wird — es sei denn es wird vom Sprecher explizit das Gegenteil formuliert.

わかりますか。ließe sich, wenn man den Ausdruck eins zu eins ins Deutsche übertragen würde, mit der Frage “Verstehnse?” vergleichen. Nur ist “Verstehnse?” eine eher unhöfliche Formulierung, während わかりますか。eine im höflichen Alltagsumgang völlig normale Frage darstellt.

Nach diesem Wasserfall an Informationen schwillt euch bestimmt erst einmal der Kopf und ich würde euch raten, zunächst eine Pause einzulegen, bevor ihr euch der nächsten Lektion widmet. Diese wird den ersten Teil der japanischen Silbenschrift — die ひらがな (hiragana) — behandeln.

Nun folgt noch die Analyse der Konversation zwischen Frau Müller und Frau Schmidt.

 

In der Konversation …

 

ムエラーさんおはようございますシュミットさん元気ですか。」

シュミットさん元気ですありがとうムエラーさん。」

 

Kommen ひらがな als auch カタカナ (katakana) zum Einsatz. Die Namen der beiden Protagonistinnen stehen dabei in カタカナ:

 

  • ムエラー bedeutet “Müller” geschrieben als mu – e – rah, da es im Japanischen weder “l” noch “ü” gibt. Die Namen vor den japanischen Klammern「」geben also wie in einem shakespeareschen Drama die Sprechrollen an.
  • ショミット ist die phonetische Umsetzung des Nachnamens “Schmidt” als sho – mi – t – to.
  • さん (sa – n) ist das Höflichkeitspartikel, das an den Nachnamen des Gegenübers angefügt wird. Da sich die beiden aus der Distanz als Nachbarn kennen, ist diese Höflichkeitsform hier angebracht.
  • おはようございます (o – ha – yo – u – go – za – i – ma – su) ist eine gängige Begrüßungsfloskel, die am Vormittag gebraucht wird und bedeutet “Guten Morgen”. Wörtlich bedeutet おはよう (ohayou) “Es ist noch früh am Tage”.
  • 元気ですか (gen – ki – de – su – ka) steht für eine gängige Floskel, die gebraucht wird, wenn man sich nach dem werten Befinden des Gesprächspartners erkundigen möchte. Wörtlich bedeutet die Phrase: “Wie ist die Gesundheit?” Darauf antwortet Frau Schmidt wortwörtlich: “Ich bin gesund” — 元気です (genkidesu)
  • ありがとう (a – ri – ga – to – u) dürfte vielen unter euch bereits bekannt sein und ist eine der Arten, auf die man sich bedanken kann. Wörtlich bedeutet diese Floskel “Es ist schwer beschreibbar” oder “Es ist selten”. In obigem Kontext sagt Frau Schmidt also “Danke der Nachfrage”.

 

Tatsächlich ist die ursprüngliche Bedeutungsebene vieler japanischer Floskeln von der eigentlichen Aussage losgelöst und wirkt ungewöhnlich distanziert gegenüber den deutschen Phrasen. Wer der englischen Sprache mächtig ist, findet zu diesem Thema hier einen trefflichen Artikel, da ich hier nicht weiter ins Detail zu dieser Sache gehen möchte.

Wir sehen uns in der nächsten Japanisch Lektion.

 

いってらっしゃい。