Japanisch Lernen – Die japanische Sprache auf einen Blick

Was man wissen sollte, bevor man mit dem  Japanisch lernen beginnt.

 

In diesem Artikel möchte ich euch die Besonderheiten der japanischen Sprache vorstellen, die man zwar nicht unbedingt wissen muss, wenn man gleich loslegen will, allerdings können so einige Unklarheiten gleich im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden.

 

  1. Die japanische Sprache ist eine Silben- und Symbolsprache. Etymologisch (d.h. sprachhistorisch) betrachtet, wird allgemein davon ausgegangen, dass sie in der chinesischen Symbolschrift ihren Ursprung hat. Nach Meinung einiger Etymologen könnte das japanische Schriftbild auch unter Einfluss der Nachbarn im Westen der Inselkette in Quasi-Isolation entstanden sein, bedenkt man, wie stark abgewandelt es im Gegensatz zum chinesischen wirkt. In Zukunft wissen wir mehr.
  2. Es gibt im Japanischen zwei Silbensysteme, welche die Stützpfeiler der Satzstrukturen darstellen. Das wären zum einen die hiragana (ひらがな), die beim Schreiben nativer (also muttersprachlicher) Satzelemente zum Einsatz kommen und zum anderen die katakana (カタカナ), welche für Fremdwörter genutzt werden (oder auch für onomatopoetische, also lautmalerische, Ausdrücke in Manga).
  3. Neben den Silben gibt es die japanischen Symbole — die kanji (漢字、かんじ). Kanji stehen stellvertretend für Substantive, Adjektive, Adverben etc. und werden durch “Anhängen” von hiragana konjugiert. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass es verschiedene Lesarten der kanji gibt, je nachdem, ob sie isoliert stehen oder im Verbund mit anderen kanji. Die “Verbundlesart” nennt sich onyomi (音読み、おによみ) und sie wird meistens (es gibt wie immer Ausnahmen) dann eingesetzt, wenn kanji Wortzusammensetzungen bilden. Die kunyomi (訓読み、くんよみ) Lesart wiederum kommt zu tragen, wenn kanji in Isolation stehen, bzw. selbst einen eigenen Begriff bilden.
  4. Hinsichtlich der Aussprache wird im Japanischen jede Silbe gleich betont, was sich für landesfremde Ohren teilweise monoton anhören kann. Oft klingt dabei die letzte Silbe eines Wortes aus, wobei auch leicht der Eindruck entstehen könnte, es würden immer die letzten Silben betont. Tatsächlich reihen sich die (oft sehr schnell) gesprochenen Sätze in einem melodischen Auf und Ab aneinander. Dass einzelne Wörter durch unterschiedliche Betonung ihre Bedeutung ändern ist zwar selten, aber man sollte sich zumindest bewusst sein, dass es so etwas gibt. Ein Beispiel dafür wäre ame (あめ), das je nach Betonung entweder Regen (auf der ersten Silbe betont) oder Süßigkeit (auf der zweiten Silbe betont) bedeutet. Man sollte sich dennoch keine allzu großen Sorgen darum machen, auch wenn man in Gegenwart eines Muttersprachlers etwas falsch betonen sollte, wird diese(r) wohl kaum ein Bonbon anbieten, wenn man mit falscher Betonung darauf hinweist, dass es wie aus Eimern gießt.
  5. Weniger geläufig dürfte der Unterschied der Sprechweisen zwischen japanischen Frauen und Männern sein, die sich nicht nur in ihrer Wortwahl, sondern ebenso in ihrer Klangfarbe und Melodie beim Sprechen voneinander unterscheiden. Das kann zum Beispiel auffallen, wenn Mann (in diesem Falle) bei einer Japanisch-Lehrerin Unterricht nimmt und nach beendetem Lehrgang sich deutlich femininer anhört, als man es erwarten könnte. Dieser Umstand lässt sich beim Lernen nur schwer regulieren (da man ja erst sehr viel später ein Gehör für sprachliche Nuancen entwickelt) und man sollte sich wohl auch nicht den Kopf zerbrechen, wenn man ab und an schief angeschaut wird — das passiert Nicht-Muttersprachlern so oder so.
  6. Wie in fast allen anderen Sprachen auch, gibt es im Japanischen verschiedene Ebenen der Höflichkeit. Anders als in romanischen und germanischen Sprachen, die Höflichkeit vor allem über die Anwendung bestimmter Pronomina (meist die zweite Person plural) und entsprechende Konjugationen ausdrücken, werden Höflichkeit und Familiarität im Japanischen durch verschiedene “Anhängsel” hergestellt. Das bekannteste unter ihnen dürfte wohl der Anhang “-san” sein, der so viel bedeutet wie “Herr” oder “Frau”. Als Beispiel könnte sich ein typisches Gespräch zwischen Frau Müller und Frau Schmidt etwa wie folgt gestalten:

 

ムエラーさん 「おはようございます、シュミットさん。げんきですか。」

シュミットさん 「げんきです。ありがとう、ムエラーさん。」

 

Frau Müller: Guten Morgen, Frau Schmidt. Wie geht es Ihnen?

Frau Schmidt: Mir geht es gut. Danke der Nachfrage, Frau Müller.

 

Dieser Satz wird am Ende der Lektion noch einmal detailliert zerpflückt.

 

Damit die Übersicht gewahrt bleibt, sei nur gesagt, das eigene Gegenüber sollte im Zweifelsfall stets mit “-san” angesprochen werden (insofern man den Namen kennt), wobei der Familienname der Person verwendet werden sollte, es sei denn man kennt sich sehr gut untereinander (bei gleichgeschlechtlichen Verhältnissen). Als Mann eine Frau beim Vornamen zu nennen impliziert hingegen schon eine Intimität, die über ein freundschaftliches Verhältnis hinausgeht. Wer also unbedacht mit Vornamen umgeht, kann durchaus so mancher Dame die Schamesröte ins Gesicht treiben.

7. Satzbau im Japanischen

Der Satzaufbau im Japanischen folgt meistens der Regel Subjekt-Objekt-Prädikat. Dieser Umstand kann zu Beginn für einige Verwirrung sorgen, da man als deutscher Muttersprachler an die Folge Subjekt-Prädikat-Objekt gewöhnt ist. Beziehungsweise wird im modernen Sprachgebrauch durch die verbreitete Verwendung des Perfekt das Objekt vom Prädikat umschlossen (auch wenn das Latein an dieser Entwicklung nicht ganz unbeteiligt war). Der japanische Satzbau ist mehr oder minder starr, während im Deutschen die Elemente eines Satzes fast schon beliebig vertauscht werden können.

Vergleicht man die Beispielsätze …

 

  • Sie hat den Apfel vom Händler gestohlen.
  • Den Apfel hat sie vom Händler gestohlen.
  • Vom Händler hat sie den Apfel gestohlen.

 

… so fällt auf, dass Subjekt und direktes wie indirektes Objekt untereinander austauschbar sind, ohne dass der ursprüngliche Sinn des Satzes verloren geht, wenngleich das Augenmerk auf unterschiedliche Elemente gerichtet wird und somit entweder der Händler, “sie” oder der Apfel in den Fokus rücken. In jedem Fall ist klar, wer Täter, wer Opfer und was das Objekt der Begierde ist. Mehr noch wird durch diese Beispielsätze die “Umklammerung” des Prädikats verdeutlicht, von welcher man sich nicht ohne Weiteres lösen kann.

Als Beispiel kann man sich die Sätze “Den Apfel vom Händler sie gestohlen hat” und “Den Apfel vom Händler sie hat gestohlen” betrachten. An sich sind diese Beispiele nicht ungrammatisch, nur wurde die S-P-O-Folge in eine O-S-P-Folge umgewandelt, wodurch die Sätze sich anhören, als wären sie frisch einem Theaterstück entsprungen oder als wären sie Yoda über die Lippen gekommen.

Dass im Deutschen die Satzelemente beliebig vertauscht werden können, liegt in der Notwendigkeit zur Kongruenz begründet, was soviel bedeutet wie die Beziehung oder Übereinstimmung der Satzelemente untereinander. Grundlegend müssen sich Subjekt und Prädikat in Numerus und Person gleichen, damit die Kohäsion, also der grammatikalische Zusammenhalt, im Deutschen gewahrt bleibt.

Im Japanischen hingegen wird Kongruenz nicht durch Konjugation von Verb und Subjekt hergestellt, sondern durch die “Starre” der Satzglieder und ein zugrundeliegendes sozio-linguistisches Kohärenzverständnis. Soll heißen, die Bedeutungsebene wird meist einfach als Voraussetzung betrachtet. Ein Beispiel:

 

Nehmen wir die Frage: “Hast du das verstanden?”

 

Diese würde im Japanischen etwa so ausgedrückt:

 

わかりますか。wa – ka – ri – ma – su – ka

    • wakari ist ein Substantiv, das bedeutet “Verständnis, Verstehen”

 

  • masu ist ein Hilfsverb im höflichen Sprachgebrauch; dadurch wird das Substantiv zum Verb, wenn man so will
  • ka ist ein sogenanntes Interrogations- oder Fragepartikel und ist in diesem Beispiel das entscheidende Element, welches die Aussage wakarimasu “Ich verstehe” in wakarimasuka “Hast du das verstanden?” umwandelt

 

 

Man sieht, es fehlen die Pronomen, das Objekt (in diesem Falle “das”, welches auf die Thematik verweist, die verstanden werden soll) und die Beugungen, die Numerus und Person ausdrücken. Im Japanischen nehmen die jeweiligen Zuhörer einfach zur Kenntnis, dass sie angesprochen sind, wenn eine Frage gestellt wird — es sei denn es wird vom Sprecher explizit das Gegenteil formuliert.

わかりますか。ließe sich, wenn man den Ausdruck eins zu eins ins Deutsche übertragen würde, mit der Frage “Verstehnse?” vergleichen. Nur ist “Verstehnse?” eine eher unhöfliche Formulierung, während わかりますか。eine im höflichen Alltagsumgang völlig normale Frage darstellt.

Nach diesem Wasserfall an Informationen schwillt euch bestimmt erst einmal der Kopf und ich würde euch raten, zunächst eine Pause einzulegen, bevor ihr euch der nächsten Lektion widmet. Diese wird den ersten Teil der japanischen Silbenschrift — die ひらがな (hiragana) — behandeln.

Nun folgt noch die Analyse der Konversation zwischen Frau Müller und Frau Schmidt.

 

In der Konversation …

 

ムエラーさんおはようございますシュミットさん元気ですか。」

シュミットさん元気ですありがとうムエラーさん。」

 

Kommen ひらがな als auch カタカナ (katakana) zum Einsatz. Die Namen der beiden Protagonistinnen stehen dabei in カタカナ:

 

  • ムエラー bedeutet “Müller” geschrieben als mu – e – rah, da es im Japanischen weder “l” noch “ü” gibt. Die Namen vor den japanischen Klammern「」geben also wie in einem shakespeareschen Drama die Sprechrollen an.
  • ショミット ist die phonetische Umsetzung des Nachnamens “Schmidt” als sho – mi – t – to.
  • さん (sa – n) ist das Höflichkeitspartikel, das an den Nachnamen des Gegenübers angefügt wird. Da sich die beiden aus der Distanz als Nachbarn kennen, ist diese Höflichkeitsform hier angebracht.
  • おはようございます (o – ha – yo – u – go – za – i – ma – su) ist eine gängige Begrüßungsfloskel, die am Vormittag gebraucht wird und bedeutet “Guten Morgen”. Wörtlich bedeutet おはよう (ohayou) “Es ist noch früh am Tage”.
  • 元気ですか (gen – ki – de – su – ka) steht für eine gängige Floskel, die gebraucht wird, wenn man sich nach dem werten Befinden des Gesprächspartners erkundigen möchte. Wörtlich bedeutet die Phrase: “Wie ist die Gesundheit?” Darauf antwortet Frau Schmidt wortwörtlich: “Ich bin gesund” — 元気です (genkidesu)
  • ありがとう (a – ri – ga – to – u) dürfte vielen unter euch bereits bekannt sein und ist eine der Arten, auf die man sich bedanken kann. Wörtlich bedeutet diese Floskel “Es ist schwer beschreibbar” oder “Es ist selten”. In obigem Kontext sagt Frau Schmidt also “Danke der Nachfrage”.

 

Tatsächlich ist die ursprüngliche Bedeutungsebene vieler japanischer Floskeln von der eigentlichen Aussage losgelöst und wirkt ungewöhnlich distanziert gegenüber den deutschen Phrasen. Wer der englischen Sprache mächtig ist, findet zu diesem Thema hier einen trefflichen Artikel, da ich hier nicht weiter ins Detail zu dieser Sache gehen möchte.

Wir sehen uns in der nächsten Japanisch Lektion.

 

いってらっしゃい。

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Sebastian