Japanisch lernen – Satzpartikel I

Japanisch Lernen – Satzpartikel I

おはようございます。

In dieser Lektion widmen wir uns den Satzpartikeln der japanischen Sprache. Partikeln sind im überwiegenden Großteil aller Fälle Kleinstsatzelemente, die alleinstehend keine semantischen Informationen tragen, sondern im Verbund mit anderen Satzelementen meist richtungsweisende Funktionen in zeitlicher oder räumlicher Manier erfüllen. Beispiele für Partikeln im Deutschen sind etwa in, auf, zu etc.

Japanische Satzpartikeln haben dabei ganz ähnliche Funktionen wie deutsche, nur dass sie zusätzlich Verweise auf die logische bzw. kohäsive Struktur innerhalb eines Satzes tätigen und noch eine Vielzahl anderer Aufgabenbereiche übernehmen, die bei europäischen Sprachen entweder durch Elemente mit eigenen Kategorien übernommen werden – z.B. Konjunktionen oder Artikel – oder durch die Beugung der Satzelemente erreicht werden. Das hört sich zunächst nach viel kompliziertem Lernaufwand an; die gebräuchlichsten Partikeln in der japanischen Sprache sind allerdings übersichtlich.

Einige davon wurden bereits in vergangenen Lektionen vorgestellt:

  • die Subjektpartikel は
  • die Fragepartikel (oder auch Interrogativpartikel) か
  • die Subjektpartikel が (das von Tae Kim nicht zu unrecht auch als Identifikationspartikel bezeichnet wird)
  • die Objektpartikel を

Wie der Name schon vermuten lässt, verweist「は」auf das Subjekt in einem Satz. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die Person oder das Objekt, auf die oder das sich eine Handlung oder ein Zustand bezieht. Und da die Satzstruktur im Japanischen einer im Vergleich zur deutschen rigiden Natur unterliegt, findet sich das Subjekt meist zu Beginn eines Satzes wie bei folgenden Beispielen:

私は外国人です。

  • 「わたし・は・がいこくじん・です。」
  • (Ich bin Ausländer.)

あなたは外国人ですか。

  • 「あなた・は・がいこくじん・です・か」
  • (Bist du Ausländer?)

(Anmerkung: Obwohl in der deutschen Übersetzung das persönliche „du“ verwendet wird, kommt die Höflichkeitsform von 「です」dem respektvollen „Sie“ im Deutschen gleich.)

Nun sind diese Beispiele zwar recht anschaulich, und wir sehen auch wieder im zweiten die Nutzung der Fragepartikel 「か」 anstelle eines Fragezeichens, im Dialog jedoch – d.h. zwischen anwesenden oder angesprochenen Personen – würden die Subjekte definitiv entfallen. In derartigen Situationen wäre rein kontextuell verständlich, dass sich unverbindliche Aussagen auf den Sprecher beziehen und Fragen auf die Angesprochene(n).

Insofern sind 「外国人です。」und 「外国人ですか。」auch ohne Subjekt und zugehörige Partikel verständlich.

Nicht nur das. In den meisten Fällen ist es besser, vor allem im persönlichen Gespräch, Pronomen wie ich, du, wir oder sie wegzulassen. Zum einen verzichten Japaner auf ganz natürliche Weise darauf und diese dann in die Gesprächsstrukturen hineinzuzwängen wäre zwar für Deutsch-Sprechende natürlicher, aber für japanische Muttersprachler befremdlich. Zum anderen folgt die japanische Sprache unpersönlichen Strukturen und ein ständiges Einbinden von 「私」oder 「あなた」würde nicht nur negativ auffallen, sondern wäre vielen Japanern auch unangenehm.

Wie unverzichtbar (und teils auch nicht auswechselbar) japanische Partikeln im Satzgefüge sind, sehen wir dagegen an folgendem Beispiel. Nehmen wir an, wir möchten unser gegenüber nach dem Namen fragen. Dies würde im Normalfall so aussehen:

お名前は何ですか。

  • 「おなまえ・は・なん・です・か」
  • (Wie ist dein Name?) 

In diesem Falle ist das angesprochene gegenüber impliziert und somit wird「お名前」zum Subjekt dieser Frage.

Wenn das „du“ mit in die Frage eingebunden soll, muss der Satz entsprechend angepasst werden. Da ohne weiteren Kontext nicht mehr als ein Subjekt, das mit 「は」eingebunden wird, auftauchen darf, muss – wie schon in der deutschen Frage – eine Possessivbeziehung hergestellt werden – also eine besitzanzeigende Konstruktion. Im Japanischen wird diese Beziehung über die Partikel 「の」angezeigt, die oft fälschlicherweise als Genitivpartikel abgeschrieben wird, aber dazu später mehr. Wichtig ist, dass sich unsere Fragekonstruktion nun wie folgt ändert:

あなたのお名前は何ですか。

  • 「あなた・の・おなまえ・は・なん・です・か」
  • (Wie ist dein Name?)

In jedem Falle ist ist die Position der Partikeln untereinander nicht austauschbar und ein Fehlen oder Platzieren an falscher Stelle führt schnell zu Nonsens-Aussagen.

Wenn z.B. die Partikeln fehlen, sind die Satzelemente nicht mehr sinnvoll miteinander verknüpft (*Du Name was ist) und wenn sie an falscher Stelle stehen, etwa im Beispielsatz ein「は」statt 「の」auf 「あなた」folgt, erhalten wir die seltsame Frage *Bist du was dein Name? Partikeln erfüllen also anders als im Deutschen eine grundlegende Funktion in der japanischen Sprache.

Die Identifikationspartikel

Die Identifikationspartikel verdankt ihren Namen dem Umstand, dass sie meist dann eingesetzt wird, wenn a) spezifische Fragen zu Subjekten gestellt werden, b) Aussagen über Merkmale von Subjekten getroffen werden oder c) Aussagen über die Anzahl von Subjekten gemacht werden.

Der generelle Unterschied zwischen 「は」und「が」ist dabei für viele Lernende zu Beginn nur schwer auszumachen, weil er im Deutschen so nicht existiert. Denn Zugehörigkeit und Subjektidentifikation werden in der deutschen Sprache über Beugung erreicht und nicht mit Hilfe von Partikeln. Nehmen wir uns das folgende Beispiel zur Illustration:

1) 誰が学生の本をありますか。

2) 誰は学生の本をありますか。

Auf den ersten Blick sind diese beiden Beispielsätze fast identisch und es könnte der Eindruck entstehen, die Inhalte decken sich ebenfalls. Bei näherer Betrachtung ergibt sich allerdings ein anderes Bild:

1) 誰が学生の本をありますか。

  • 「だれ・が・がくせい・の・ほん・を・ありますか」
  • (Wer hat die Schülerbücher?) [oder auch: Bücher der Schüler]

2) 誰は学生の本をありますか。

  • 「だれ・は・がくせい・の・ほん・を・ありますか」
  • (Hat Wer die Schülerbücher?) [oder: Ist die Person Wer im Besitz der Schülerbücher?]

Was hat sich also geändert? Die Beziehung zum Subjekt!

In 1) wird eine Aussage über das Subjekt getroffen, während in 2) das Subjekt im Mittelpunkt der Aussage steht. Anders gesagt ist das Subjekt 誰in Satz 2) Handlungsträger, während in 1) eine Handlung auf das Subjekt übertragen wird.

Wem das kompliziert erscheint (und das ist keine Schande, denn es ist für deutsche Muttersprachler auf natürlichem Wege schwer nachvollziehbar), kann sich den Unterschied auch so merken, dass が eine Frage beantwortet, die nicht gestellt wurde:

あきこさんは行きます。

  • (Akiko geht [weg].)

あきこさんが行きます。

  • 「行きます:いきます」
  • (Akiko ist diejenige, die geht.)

oder:

誰が学生の本をありますか。

  • (Wer hat die Schülerbücher?)

あきこさんが学生の本あります。

  • Akiko hat die Schülerbücher (nach denen gefragt wurde).

dagegen:

あきこさんは学生の本あります。

  • (Akiko hat Schülerbücher.)

Im letzten Beispiel sehen wir besonders gut, dass durch Anfügen von「は」eine allgemeine Aussage über Akiko getätigt wird. Hingegen im Satz darüber mittels「が」eine Aussage über die Schülerbücher getätigt wird.

Ebenfalls wird「が」verwendet, wenn Eigenschaften, etwa mittels Adjektiven, von Personen oder Gegenständen näher bestimmt werden sollen. Auch in diesem Falle lässt sich der Unterschied zwischen「が」und「は」gut darstellen:

(私は)本が好きです。

  • 「わたし・は・ほん・が・すき・です」
  • (Ich mag Bücher.)

Wie sich hierbei leicht feststellen lässt, bekommt das Subjekt (auch wenn es ausgelassen wird) die 「は」-Partikel angehängt und das Subjekt, welches näher bestimmt wird, die 「が」-Partikel. Bei 「好き」handelt es sich dabei nicht um ein Verb, sondern um ein Adjektiv (oder um ganz genau zu sein, um ein Substantiv mit adjektivischen Merkmalen) und bei Adjektiven gilt: Wenn ein Subjekt durch ein Adjektiv näher beschrieben wird, werden die beiden Satzelemente mit 「が」verbunden, um diese Beziehung zu verdeutlichen.

Wandelt man den Satz derart um, dass die Bücher Handlungsträger werden, sähe das wie folgt aus:

本は好きです。

  • (Bücher mögen [etwas.])

Dieser Satz ist zwar grundlegend nicht falsch, aber doch ziemlich merkwürdig.

Zu guter Letzt findet die 「が」-Partikel Einsatz im Verbund mit dem Verb 「ある」, das sich auf die Existenz oder das Vorhandensein von vor allem unbelebten Dingen bezieht. Bei lebenden Subjekten verwendet man hingegen 「いる」oder「います」in der höflichen Form.

Auf unser Beispiel angewendet:

本があります。

  • (Es gibt Bücher/Bücher sind vorhanden.)

Oder um den Satz etwas zu erweitern:

三冊本が本棚にあります。

  • 「さん・さつ・ほん・が・ほんだな・に・あります」
  • (Drei Bücher befinden sich im Bücherregal.)

Übrigens können Satzgefüge, die auf 「が」enden – zumindest wie im Beispiel oben, wenn sie Objekte, Orte, Personen etc. näher bestimmen – entweder am Anfang eines Satzes stehen oder direkt vor dem Verb. Insofern sind:

本棚に三冊本があります。

und

三冊本が本棚にあります。

beide korrekt und haben die gleiche Bedeutung.

Zusammenfassend können wir also sagen, dass sich mittels 「が」und「は」die Beziehung zum Subjekt darstellen und verändern lässt, das Vorhandensein (oder auch der Besitz) von unbelebten Dingen im Verbund mit 「あります」ausdrücken lässt und allgemeine Aussagen über Eigenschaften von Subjekten und Objekten tätigen lassen.

In der nächsten Japanisch Lektion widmen wir uns dem zweiten Teil der Satzpartikeln und werden damit auch die geläufigsten abgedeckt haben. Bis bald und habt vor allem Spaß beim Lernen.

あなた達は日本語が好きですね。

Vokabelliste:

Vokabel Hiragana (Aussprache) Übersetzung
わたし ich (bezogen auf die eigene Person)
私達 わたしたち wir
あなた du/Sie
あなた達 あなたたち ihr (alle)
そと außen
くに Land, Region, Provinz
じん Person
外国人 がいこくじん wörtlich „Person von Land außerhalb“ – Ausländer/Nicht-Japaner
名前 なまえ Name (beim Ansprechen einer anderen Person wird gewöhnlich die Höflichkeitspartikel 「お」vorangestellt → お名前
にち Sonne, Tag, Zählwort für Tag
ほん bedeutet „Buch“, aber auch „Ursprung“ oder „Quelle“; Japan wird aufgrund der Symbolzusammensetzung 「日本」deshalb auch als „Wiege der Sonne“ bezeichnet
本棚 ほんだな Bücherregal
さつ Zählwort für Bücher
日本人 にほんじん Japaner
日本語 にほんご Japanisch/die japanische Sprache
学生 がくせい Schüler
学生の本 がくせいのほん zum Zwecke dieser Lektion zusammengesetztes Substantiv für „Schülerbücher“; nicht zu verwechseln mit Schul- oder Sachbuch: 教科書:きょうかしょ
だれ wer/jemand
好き すき Zuneigung, Vorliebe, etwas mögen
行く(行きます) いく zu gehen
ある (あります) Vorhandensein/Existenz von unbelebten Objekten

 

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Sebastian